Schichtarbeit – Auf den richtigen Takt kommt es an

Kampagne „Mein Leben – meine Zeit“: Schichtarbeit besser takten

Auf den richtigen Takt kommt es an

Nur noch 15 Prozent aller Beschäftigten arbeiten heute montags bis freitags zu festen Zeiten. Für die Mehrheit der Menschen gehört Schichtarbeit zum Alltag. Darunter leidet nicht nur das Privatleben, sondern auch die Gesundheit. Ein perfektes Schichtmodell ist kaum möglich, aber ein besseres, wie Beispiele zeigen.

Stellen Sie sich vor, Sie würden jede zweite Nacht durchmachen oder zweimal in der Woche einen Langstreckenflug unternehmen: So etwa fühlen sich Beschäftigte in Schichtarbeit.

In deutschen Industriebetrieben wird rund um die Uhr gearbeitet. In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Schichtarbeitenden von 2,5 auf sechs Millionen mehr als verdoppelt. Fast neun Millionen arbeiten heute regelmäßig an Wochenenden. Dabei haben sich die Motive, warum Unternehmen in Schichten arbeiten lassen, verändert. Waren es früher vor allem Versorgungsaspekte und prozesstechnische Gründe, geht es Firmen heute um rein wirtschaftliche Motive: Damit sich die teuren Maschinen und Produktionsanlagen besser „rechnen“, sollen sie möglichst lange laufen.

Wer regelmäßig abends, nachts oder am Wochenende arbeitet, bringt seine biologische Uhr durcheinander. Darunter leidet nicht nur die Gesundheit, sondern auch das familiäre und soziale Leben. Wer zur Arbeit geht, wenn alle anderen schlafen, bekommt vom Leben oft nicht mehr viel mit. Beziehungen zur Familie, zu Partnern oder zu Freunden leiden. Viele Frauen und Männer kämpfen täglich darum, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Dabei sind sie auf sich allein gestellt. Oft fehlt es an betrieblicher Kinderbetreuung und selbstbestimmten Arbeitszeiten.

So wichtig ist Schichtarbeitenden …

Grafik: Was Schichtarbeitenden wichtig ist

Schichtarbeitende wollen mehr Zeitsouveränität

Knapp 94 Prozent der Schichtarbeitenden wollen geregelte Arbeitszeiten, ergab die große Beschäftigtenumfrage der IG Metall 2013. Dabei wollen sie die ohnehin schon stark vom Arbeitgeber geforderte Flexibilität so gut wie möglich begrenzt haben. Plant der Arbeitgeber die Arbeitszeiten zu ändern, wünschen sich 92 Prozent der Beschäftigten in Schichtarbeit ausreichend lange Ankündigungsfristen, damit sie sich darauf einstellen und ihr Privatleben organisieren können.

Die IG Metall-Umfrage offenbart ganz klar: Auch Schicht-Beschäftigte wünschen sich mehr Zeitsouveränität und wollen ihre Arbeitszeit selbstbestimmter mitgestalten können. Dass so etwas geht, zeigen gute Beispiele wie etwa bei Bosch in Reutlingen. Dank einer Betriebsvereinbarung können dort Eltern in Konti- und Wechselschicht nicht nur Teilzeit arbeiten, sondern auch ihre Schicht später anfangen oder früher beenden, um für ihre Kinder da zu sein. Und es gibt ein Schwarzes Brett für alle, die sich eine Vollzeitstelle teilen wollen.

Auch beim Stahlwerk Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt gibt es mittlerweile ein familienfreundliches und  gesundheitsschonendes Schichtmodell: Dort arbeiten Beschäftigte zwei Tage früh, zwei Tage spät, drei Tage nachts und haben dann vier oder fünf Tage am Stück frei. „32plus heißt das Modell“, das der Betriebsrat 2010 mit dem Arbeitgeber vereinbarte.

Ein perfektes Schichtmodell ist kaum möglich. Zu unterschiedlich sind oft hier die Interessen – nicht nur zwischen der Geschäftsleitung und den Beschäftigten, sondern auch unter den Schichtarbeitenden selbst. Aber eine gerechtere Schichtarbeit ist möglich. Dabei spielen gut ausgefeilte Schichtmodelle eine zentrale Rolle, bei denen die Betroffenen von Anfang an beteiligt werden. Ein Mittel der Beteiligung kann eine Befragung der Beschäftigten sein. Damit haben viele Betriebsräte gute Erfahrungen gemacht.

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