Saubere Energie und gute Arbeit gehören zusammen

Branchentag Windenergie Niedersachsen am 3.11. in Hannover

Saubere Energie und gute Arbeit gehören zusammen

IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken: „Die starre Deckelung der Windindustrie muss wieder weg.“

Die IG Metall Küste unterstützt den 3. Windbranchentag, zu dem der Bundesverband WindEnergie Landesverband Niedersachsen/Bremen am Donnerstag, 3. November, nach Hannover einlädt. Im Fokus des Programms werden mit Blick auf das EEG 2017 die Themen Akzeptanz, Ausschreibungen, Bürgerenergie und Sektorenkopplung stehen. Auch IG Metall-Bezirksleiter Meinhard Geiken wird an der Veranstaltung teilnehmen und auf dem Podium über die Auswirkungen der EEG-Reform diskutieren. Im Interview mit dem BWE hat er bereits im Vorfeld wichtige Fragen beantwortet:

Herr Geiken, als Gewerkschafter haben Sie den langatmigen Kampf um die EEG-Novellierung seit 2014 begleitet. Wie bewerten Sie das im Juni diesen Jahres verabschiedete Gesetz?

Geiken: Wir befürchten negative Folgen für die Beschäftigten durch die jüngste EEG-Novelle. Quasi über Nacht hat sich die Koalition aus CDU/CSU und SPD von dem mühsam ausgehandelten Kompromiss mit den Ländern verabschiedet und die Ausbauziele für die Windenergie drastisch reduziert. Wir stehen vor einem erneuten Fadenriss mit unabsehbaren Folgen für Arbeitsplätze und Standorte. Noch sind die Auftragsbücher voll, doch in zwei bis drei Jahren, wenn die Drosselung greift, werden die Auswirkungen in den Betrieben zu spüren sein.

Netzausbauregionen

Viel Kritik hat der Beschluss zu den sogenannten Netzausbauregionen auf sich gezogen, der die norddeutschen Bundesländer in den Ausschreibungen benachteiligen wird. Welche Auswirkungen erwarten Sie für den Zubau in den Küstenregionen und die dort angesiedelten Unternehmen aus der Windbranche?

Geiken: Mit den Netzausbauregionen werden die Regionen bestraft, in denen der Wind besonders stark weht. Das ist vollkommen falsch. Wir brauchen einen zügigen Netzausbau, aber auch die bestehenden Netze lassen sich besser nutzen. Außerdem machen wir uns dafür stark, dass der überschüssige Strom vor Ort genutzt werden kann. Stichwort: Sektorenkoppelung. Darauf müssen wir uns konzentrieren.

Offshore Windenergie

In Ihrem Bezirk sind Unternehmen stark vertreten, die im Bereich Offshore Windenergie tätig sind. Welches Echo haben Sie nach der Verabschiedung der EEG-Novelle von Ihren Mitgliedern erhalten?

Geiken: 80 Prozent der Betriebsräte aus der Windindustrie erwarten negative Auswirkungen auf die Branche. 60 Prozent rechnen mit negativen Folgen für ihren eigenen Betrieb. Das haben sie uns in einer Befragung gesagt. Fraglich ist, ob die fehlenden Aufträge in Deutschland mit Aufträgen aus dem Ausland oder aus anderen Bereichen ausgeglichen werden können. Durch die geplanten Ausschreibungsverfahren steigt zudem der Druck auf die Beschäftigten. Bei der Vergabe zählt künftig allein der Preis. Wir befürchten deshalb einen ruinösen Unterbietungswettkampf auf Kosten der Beschäftigten.

Arbeitsplatzsicherheit in der Windindustrie

Welche weiteren Stellschrauben müssen Ihrer Meinung nach noch im Nachgang betätigt werden um die 320.000 Arbeitsplätze in der Windbranche nicht zu gefährden?

Geiken: Nach der EEG-Reform ist vor der EEG-Reform: Gemeinsam mit Bündnispartnern aus Industrie, Verbänden, Politik und Gewerkschaften müssen wir die Bundestagswahlen im September 2017 in den Blick nehmen. Die starre Deckelung des Ausbaus der Windindustrie muss wieder weg. Anders sind die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Und nur so ist eine auf die Zukunft ausgerichtete Industriepolitik möglich. Die Energiewende kann dann für Wertschöpfung und Arbeit in Deutschland sorgen – nicht nur an der Küste, sondern überall, wo Unternehmen der Branche oder Zulieferer sitzen.

Erwartungen an Windbranchentag 2016

Welche Erwartungen haben Sie an den Branchentag, Herr Geiken?

Geiken: Beim Windbranchentag geht es mir insbesondere um die Vernetzung. Wir müssen zeigen, dass Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften bei der Energiewende an einem Strang ziehen. Erfreulich ist auch das Signal des Bundesverbandes WindEnergie, dass gute und faire Arbeitsplätze in der Windindustrie wichtig sind. Gemeinsam können wir so zeigen: Saubere Energie und gute Arbeit gehören zusammen.

Anmeldung zum Windbranchentag: Mitglieder der IG Metall können sich zum ermäßigten Preis für BWE-Mitglieder anmelden. Bitte bei der Buchung angeben: Koop. NDS IG Metall Küste 95-Euro-Ticket.

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