Interview mit Olaf Lamprecht zu den BR-Wahlen bei WEA Service Ost

Interview mit Olaf Lamprecht zu den BR-Wahlen bei WEA Service Ost

 

 

Wie seid ihr mit dem Wahlergebnis zufrieden?

Ich war ja bei der Stimmen­auszählung des WEA Service Ost in Magdeburg dabei. Ich freue mich über eine Wahl­beteiligung von 75 Prozent. Dafür Dank an alle Kolleginnen und Kollegen egal welche Liste sie gewählt haben.
Es ist ein starkes Zeichen an die Geschäfts­leitung, dass die Mitarbeiter Betriebs­räte wünschen und auch dahinter stehen. Das unsere Liste 1 mit Unterstützung der IG Metall dann noch eine 2/3 Mehrheit geholt hat, war so nicht abzusehen. Es zeigt aber deutlich, dass letztendlich unsere Themen die Kollegen doch mehr angesprochen haben. Wir haben wohl den Nagel auf den Kopf getroffen.

 

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Olaf Lamprecht (WEA Service GmbH Ost)

 

Ihr habt ja einen sehr inhaltlichen Wahlkampf gemacht, welche Themen sind Euch besonders wichtig?

Was mir persönlich ein bisschen unter den Nägeln brennt ist das permanente Miss­trauen der Geschäfts­führung den Mitarbeitern gegenüber. Wir wissen dass wir GPS in den Servicefahrzeugen haben, natürlich zu unserer Sicherheit. Im Notfall ist wohl jeder dankbar, dass wir diese Technik haben.

 

Aber warum werden dann die Daten monatelang gespeichert? Deshalb setze ich mich für die zeitnahe Löschung der GPS-Daten ein. Wünschens­wert wäre auch die Einsetzung eines Datenschutz­beauftragten. Es muss ja kein Hauptamtlicher sein. Ich denke, dass schafft wieder ein bisschen Vertrauen, auf beiden Seiten.

 

Auch die intransparente Leistungs­beurteilung bedarf einer gründlichen Überarbeitung. Deshalb fordere ich für jeden Arbeits­platz eine genaue, detaillierte Stellen­beschreibung. Dann ist es auch möglich, die Leistungszulage nach den erworbenen Zusatz­qualifikationen und zusätzlich übernommenen Aufgaben gerechter zu verteilen. Denn viele leisten weit mehr als dass wofür sie mal eingestellt wurden.

 

Wie geht’s jetzt weiter?

Na ich freue mich schon auf die Seminare. Ich weiß, mit der IG Metall haben wir einen sehr erfahrenen Partner an unserer Seite. Und Erfahrung ist unbezahlbar. Wir wollen das Betriebsverfassungsgesetz ja auch richtig anwenden und uns nicht blamieren. Ich hoffe jetzt auf eine gute, konstruktive Zusammenarbeit des BR zum Nutzen aller Mitarbeiter. Denn eins sollten wir auf keinen Fall verspielen – das Vertrauen der Mitarbeiter. Wir sind ihre größte Chance was zu verändern. Das mit dem „Verspielen“ möchte ich durchaus wörtlich verstanden wissen.

 

Wie ist euer Verhältnis zu den Vertretern der anderen Liste im BR?

Einige Kollegen kenne ich schon jahrelang und arbeite fast täglich mit ihnen zusammen. Einige habe ich erst bei Gesprächen auf unserem Info­treffen kennengelernt. Das sind ja nicht unsere Gegner, wir verfolgen doch letztendlich die gleichen Ziele. Ich bin mir sicher dass wir gut zusammen­arbeiten werden. Und bald werden wir schon die ersten Ergebnisse ernten.

 

Was denkt ihr, wie wird die Geschäftsleitung jetzt reagieren?

Das kann man sehr schlecht einschätzen. Die Geschäfts­leitung ist ja nicht gerade als kommunikativ bekannt. Ich hoffe aber, sie erkennt, dass wir nicht auf Krawall aus sind. Lassen uns aber auch nicht hinhalten. Wir haben schließlich einen klaren Auftrag der Mitarbeiter.

 

Olaf Lamprecht

5 Kommentare
  1. Bravo,lieber Bruder, weiter so
    Dein Schwesterchen

  2. Klingt soweit alles gut.
    Aber: die GL wird ja nie und nimmer die Forderungen und Wünsche der BR einfach so umsetzen. Da wird die GL auch mal sagen Nein..machen wir nicht!
    Und dann bin ich mal gespannt wie der BR seinen Forderungen dann Nachdruck verleihen will…. Am Tisch bei den Verhandlungen sitzt der BR dann ohne die IG Metall.
    Am Anfang lenkt die GL vielleicht noch ein bischen ein, um Ruhe rein zu bringen, aber das wird nicht immer so sein…

  3. Hallo Georg,

    da gebe ich Dir Recht, so leicht wird die GL Ihre Macht nicht teilen wollen.
    Aber es gibt ein Betriebsverfassungsgesetz wo geregelt ist was der BR zustimmen muss.
    Eins ist klar, die „kalte“ Einführung des Schichtsystems Anfang des Jahres hätte es so mit BR nicht gegeben. Das wäre z.B, Mitbestimmungspflichtig gewesen. Das Schichtsystem wäre auch mir BR gekommen wir sind ja auch Dienstleister, aber so billig wäre ENERCON nicht weggekommen. In anderen Unternehmen der Windbranche und bei anderen Dienstleistern wird nicht nur „Ein Euro Fuffzig“ für die Bereitschaftsstunde gezahlt. Wir als BR haben die Möglichkeit in wirtschaftliche Kalkulationen Einsicht zu nehmen. Diese Informationen sind natürlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sondern dienen einzig und allein für Verhandlungen mit der GL. Aber als BR haben wir auch die Möglichkeit, das vor Gericht einzuklagen.

    Noch Fragen? Jederzeit gerne.

    • Schon ein bisschen unklug hier mit internen Preise und Zahlen um sich zu werfen und dann von Informationen reden die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.
      Vorher einmal mehr nachdenken bevor man schreibt.

      • Lieber Robert,

        das reden über Löhne, Gehälter, Entgelte, also Knete halt, und über die Höhe von Bestandteilen dieser in der Öffentlichkeit ist nicht verboten. Selbst mit dem Arbeitgeber vereinbarte „Schweigeverabredungen“ sind rechtlich unwirksam. Leider wissen das immer noch viel zu wenige. Dabei muss man sich doch mal austauschen, was wo wieviel verdient wird. Es gibt nämlich nicht nur die Betriebe wo es noch viel schlechter ist (die nennt dir auch dein Arbeitgeber immer gerne), sondern auch diejenigen wo besseres Entgelt bezahlt wird.