GZO Kollegen ergreifen Initiative

GZO Kollegen ergreifen Initiative!

 

Mutige GZO-Beschäftigte wenden sich im Namen der Belegschaft an die Presse. Sie informieren über Abmahnungen, Strafversetzungen und Druck von Vorgesetzten: »Viele in der Belegschaft hatten den Wunsch, die Missstände endlich öffentlich zu machen.«

In den letzten Wochen wurde auf windstaerke13.info bereits über Versuche der GZO-Geschäftsleitung berichtet, die Beschäftigten im Vorfeld der Betriebsratswahlen einzuschüchtern. Nun haben die GZO-Kollegen selber die Initiative ergriffen. Fünf von ihnen haben Mut bewiesen und sind im Namen der Belegschaft an die Öffentlichkeit gegangen. Am Samstagmittag trafen sie sich im Europahaus in Aurich zu einem vertraulichen Hintergrundgespräch mit lokalen Pressevertretern, um aus erster Hand über die Missstände zu informieren.

 

Dass sie dabei anonym bleiben wollen, ist aufgrund der Situation beim GZO aber auch der Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden der Enercon-WEA Ost, Nils-Holger Böttger, mehr als nachvollziehbar. Wir bitten also um Verständnis, dass wir an dieser Stelle Pseudonyme verwenden. Wir wollen die Kollegen nicht gefährden.

 

Am 10 und 11.Juli haben  221 der 240 Beschäftigten des Gusszentrums Ostfriesland (GZO) in Georgsheil bei Aurich einen Betriebsrat gewählt – zum ersten Mal in der Geschichte der Enercon-Tochter. »Im Vorfeld war es zu massiven Einschüchterungen gekommen«, sagte Hartmuth Maßloh. Allerdings habe man lange geschwiegen und versucht, die Probleme intern zu regeln. »Wir hatten die Hoffnung, dass es nach den Betriebsratswahlen besser wird«, so Maßloh weiter. Doch das sei nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil: »Der Druck hat zugenommen«, meinte sein Kollege Jan Schulz. Die Abmahnungen gegen gewerkschaftlich engagierte Kollegen gingen genauso weiter wie die »Strafversetzungen«. »Darum haben wir uns entschieden, an die Presse zu gehen«, so Schulz. »Viele in der Belegschaft hatten den Wunsch, die Missstände endlich öffentlich zu machen.«

 

Die Einschüchterungsversuche gegen die Belegschaft begannen mit der Einleitung der Betriebsratswahl durch die IG Metall Anfang April. Sie reichten von allgemeinen Drohungen bis zu Vier-Augen-Gesprächen mit den Vorgesetzten. »Es gab Schichtleiter, die regelrecht dazu aufgerufen haben, nur Bewerber zu wählen, die nicht mit der IG Metall zusammenarbeiten«, erinnerte sich Christian Bruns. »Vorgesetzte haben Kollegen gesagt, sie seien enttäuscht von ihnen, nur weil sie mit der IG Metall geredet haben.«

 

Doch dabei blieb es nicht: »Plötzlich wurden viele Kollegen strafversetzt«, sagte Siegmund Meyer. Betroffen waren vor allem diejenigen, die auf der Liste 1 kandidiert haben oder sich zuvor als Mitglieder des Wahlvorstandes für mehr Mitbestimmung engagiert haben. Auf der Liste 1 waren vor allem Mitglieder der IG Metall oder ihr nahestehende Kandidaten angetreten. Der 9-köpfige Betriebsrat wurde mit 129 Stimmen für die Liste 2 und 78 Stimmen für die Liste 1 gewählt.

 

»Viele mussten auf einmal Jobs machen, für die sie überqualifiziert waren«, erklärte Meyer. Er verweist auf einige hochqualifizierter Kollegen, die zum Schleifen der Kokillen mit der Flex abgestellt wurden. Dies sei nicht nur entwürdigend gewesen, so Meyer. »Für viele sind die Versetzungen auch mit enormen Gehaltseinbußen verbunden, weil sie keine Schichtzulagen mehr bekommen.«

 

Gleiches gilt für die Abmahnungen. »Kollegen, die sich jahrelang nichts zu Schulden kommen haben lassen, wurden plötzlich abgemahnt, manche sogar mehrmals«, erzählt Jens Bergmann. Er ist sich sicher, dass es dabei nicht um Verfehlungen ging, sondern darum die Kollegen einzuschüchtern.

 

Warum es gerade die Kandidaten der Liste 1 getroffen hat? Die Kollegen vermuten, dass es darum geht, die IG Metall aus dem Betrieb herauszuhalten. Aber nicht nur das: »Es hatte auch mit den Themen zu tun, für die die Liste 1 stand«, sagte Christian Bruns. »Wir wollen die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz beim GZO verbessern.« Hier habe es teils gravierende Probleme gegeben. Demnach mussten Kollegen regelmäßig unter freischwebenden Bauteilen arbeiten, obwohl dies klar gegen den Arbeitsschutz verstößt. Zudem berichteten die Kollegen, von erheblichen Mängeln bei der Schutzkleidung. »Uns fehlen etwa Vollschutzanzüge mit externen Belüftungsanlagen«, so Bergmann. »Kollegen klagen über tagelangen Metallgeschmack im Hals und trocken Husten, sogar am Wochenende.«

 

Von ihrem Ziel, diese Probleme anzugehen und mehr Mitbestimmung beim GZO durchzusetzen, wollen sich die fünf trotz der Anfeindungen nicht abbringen lassen. »In den 90er Jahren sind Enercon Beschäftigte gescheitert, weil sie alleine waren«, sagte Maßloh. »Das ist heute anders: Diesmal sind wir stark,  wir sind in ganz Deutschland organisiert und werden von der IG Metall unterstützt.« Zwölf  Betriebsratsgremien wurden so bereits bei Enercon-Tochtergesellschaften in Zusammenarbeit mit der IG Metall seit Herbst 2013 neu gewählt. Und: Anders als beim GZO hat es bei den meisten Wahlen bisher kaum schwerwiegende Probleme gegeben.

 

Es gibt aber noch einen Grund, warum die Kollegen nicht aufgeben wollen: »Die Unterstützung, die aus der GZO-Belegschaft kommt«, sagte Jan Schulz. »Die gibt Hoffnung.«

 

Letzte Woche hat sich der Betriebsrat beim GZO konstituiert. Deshalb wollten die fünf den Gang an die Öffentlichkeit auch mit einem Appell an das Mitbestimmungsgremium verbinden, die vom Gesetzgeber garantierten Rechte zu nutzen,  um die Probleme beim GZO anzugehen. Auf die Unterstützung durch Belegschaft und IG Metall kann der Betriebsrat jeden Fall zählen.

 

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