Befragung der IG Metall: Lage in der Windindustrie spitzt sich zu

Gewerkschaft warnt vor Kahlschlag und will Know-how erhalten

Befragung der IG Metall: Lage in der Windindustrie spitzt sich zu

Die Aussichten in der Windindustrie haben sich erheblich verschlechtert. Mehr als 40 Prozent der Betriebsräte gehen von einer negativen Marktentwicklung aus. In knapp einem Viertel der Unternehmen erwarten die Betriebsräte einen Beschäftigungsabbau. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter Betriebsräten, die die Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS) aus Bremen im Auftrag der IG Metall durchgeführt hat.

„Die Situation in der Windindustrie spitzt sich zu – schneller und deutlicher als wir es befürchtet hatten“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „War vor einem Jahr von Entlassungen und Standortschließungen noch keine Rede, sind davon jetzt zahlreiche Unternehmen sowohl aus dem On- als auch dem Offshore-Bereich betroffen. Erste Standortschließungen sind vollzogen (Senvion in Husum und Trampe) bzw. angekündigt (Powerblades in Bremerhaven).“ Die IG Metall fordert gemeinsame Anstrengungen mit Unternehmen und Politik, um die Beschäftigten und damit das Know-how in den Betrieben zu halten. „Um die Klimaschutzziele zu erreichen und genügend Strom etwa für die Elektromobilität zu produzieren, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben werden“, so Bezirksleiter Geiken. Deshalb dürfe es jetzt keinen Kahlschlag mit Blick auf die Rendite geben. Gefragt seien stattdessen durchdachte Arbeitsmarktkonzepte unter Einbeziehung von Kurzarbeit und Qualifizierung.

Nach der Befragung geht jeder dritte Betriebsrat für die kommenden zwei Jahre von einer abnehmenden Auftragsentwicklung in seinem Unternehmen aus. Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Anteil der Betriebe mit einer negativen Prognose deutlich gestiegen. Für die Zeit ab 2019 können die Betriebsräte keine Einschätzung geben. In denjenigen Betrieben, die den Beschäftigungsrückgang beziffern konnten, sollen mehr als 1400 Arbeitsplätze wegfallen. Das wären knapp 20 Prozent aller Arbeitsplätze in diesen Betrieben.

Kritisch bewertet die IG Metall die ersten beiden Ausschreibungsrunden für Windenergie an Land. Bei den meisten Zuschlägen greifen Sonderregelungen für Bürgerwindparks. Damit ist offen, ob und wann die Projekte umgesetzt werden. „Wir befürch-ten dadurch einen massiven Einbruch der Produktion. Um Beschäftigung zu halten und die Technik der Anlagen weiter zu verbessern, braucht es einen ambitionierteren und vor allem verlässlichen Ausbaupfad“, erklärte IG Metall-Bezirksleiter Geiken. Auf Initiative von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies macht sich die Gewerk-schaft gemeinsam mit Verbänden wie dem BWE und der wab Bremerhaven sowie Unternehmen wie Enercon, Carbon Rotec und EWE für Korrekturen bei den Ausschreibungsmodalitäten stark.

Als erfreulich wertet die Gewerkschaft, dass Tarifbindung auch in der Windbranche für bessere Arbeitsbedingungen sorgt. „Nach der Befragung sind die Arbeitszeiten in tarifgebundenen Betrieben kürzer und die Ausbildungsquote höher“, so Geiken. „Betriebe mit Tarifverträgen setzen auch weniger stark auf Leiharbeit und Werkverträge. Außerdem haben sie weniger Probleme bei der Stellenbesetzung.“

An der Befragung beteiligten sich Betriebsräte von 38 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet, die insgesamt mehr als 24.000 Beschäftigte repräsentieren.

:: Präsentation der Ergebnisse der Berfragung 2017 (PDF | 1365 KiB)

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